Meditative Rast

Die Inhalte der „meditativen Rast“ werden mit Impulsen und Texten aus dem Laacher Messbuch gestaltet und werden wöchentlich aktualisiert.

Pfingsten - Am Tag

19. Mai 2013

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis.
In ihm hat alles Bestand.
Nichts bleibt verborgen vor ihm. Halleluja.
Vgl. Weish 1,7
Oder:

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Halleluja.
Röm 5,5

»Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist. Lass uns Gott erkennen, ihn Vater nennen und von Christus uns nimmermehr trennen.« Diese Liedstrophe (GL 248) ist eine treffliche Charakterisierung der Tagestexte. Im Geist erkennen wir Gott. In der Gemeinschaft, die den Geist betend erwartet, erkennen wir Gott. Der Geist ist das »Band der Liebe«. Er verbindet uns miteinander und bindet uns an Jesus. Denn wir sind seine Kirche. Kirche kommt vom Griechischen kyriake das heißt: zum Herrn gehörig. Im Geist nennen wir Gott Abba, »Vater«. Wir beten mit Christus zum Vater.

Kyrie-Rufe Oder: GL 246 • KG 480
Herr Jesus Christus, du lebst in der Einheit mit dem Vater und dem Hl. Geist. Herr, erbarme dich.
Du sendest uns Gottes Geist, der uns Gott erkennen lässt. Chris tus, erbarme dich.
Du sammelst uns durch den Geist in der Einheit deiner Kirche. Herr, erbarme dich.

Gloria

Tagesgebet
Allmächtiger, ewiger Gott, durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen. Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Es können auch die Schrifttexte vom Lesejahr A genommen werden.

Erste Lesung Apg 2,1–11
Lesung aus Apostelgeschichte.
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten:
Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. |F

Wie sollen wir uns die Szene vorstellen? Ein paar Leute sitzen oder stehen herum und plötzlich kommt der Heilige Geist auf sie herab? Wir wissen vom biblischen Anweg her, dass es sich um eine betende Versammlung gehandelt hat. »Sie waren immer im Tempel und priesen Gott« (Lk 24,53). Sie verharrten im Gebet im Obergemach eines Hauses und beteten bei der Nachwahl des Apostels Matthias (Apg 1,14.24). Gott kann den Geist schenken, wie er will. Aber er will den Geist nicht gegen die Freiheit des Menschen, nicht ohne dessen Sehnsucht und nicht an dessen Disposition vorbei schenken.
Wie können wir die Botschaft Christi heute verständlich verkünden? Der Lesungstext endet kurz vor dem spöttischen Vorwurf an die Apostel: »Sie sind vom süßen Wein betrunken« (V.13). Die Kirchenväter sprechen von der »nüchternen Trunkenheit« (sobria ebrietas). Wir können in dieser scheinbar paradoxen Wortkombination einerseits die Begeisterung erkennen, das Rauschhafte, das kein Blatt vor den Mund nimmt, das frei von dem redet, wovon unser Herz voll ist, andererseits den nüchternen und ganz realen Blick auf die Lebenswirklichkeit der Menschen, mit denen wir in einen ernsthaften Dialog treten.


Antwortpsalm Ps 104,1–2.24–25.29–31.34 (|R: vgl. 30)
|R: Halleluja. – oder: Sende aus deinen Geist und das Antlitz der
Erde wird neu.
VII. Ton – GL 253,1 • KG 489
Lobe den Herrn, meine Seele! /
Herr, mein Gott, wie groß bist du! *
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, *
du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. – |R
Herr, wie zahlreich sind deine Werke! /
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, *
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit, *
darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere. – |R
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin *
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen *
und du erneuerst das Antlitz der Erde. – |R
Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; *
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen. *
Ich will mich freuen am Herrn. – |R

Zweite Lesung Röm 8,8–17
Lesung aus dem Römerbrief.
Schwestern und Brüder! Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.
Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit.
Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.
Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!
So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden. |F

Zwei Bestimmungen des Geistes werden genannt: Der Geist ist der Geist Christi; der Geist ist der Geist in uns. Das ist ein pfingstlicher Aufruf zur Orientierung an Christus, wie er lebte, redete, handelte, Menschen begegnete, sie auf sich zukommen ließ, und es ist ein Aufruf zur Innerlichkeit im Glauben, die nicht als spiritueller Rückzug, sondern als Grundlage für ein beherztes Handeln zu deuten ist. Denken wir an den »österlichen Jubelruf« (Eugen Biser): »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20). Und die Kraft der Innerlichkeit spricht aus 2 Kor 4,16: »Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert.«
Nicht Jesus sagt, dass wir nicht zu ihm gehören, wenn sein Geist nicht in uns ist, sondern wir gehören nicht zu ihm, wenn wir den Geist Jesu nicht haben. Wir trennen uns von ihm ab! Das ist die Bestimmung des Wortes »Fleisch«. Der fleischliche Mensch sondert sich von Gott ab und von sich selbst, von seiner Bestimmung auf Gott hin. Er ist der, der sich im Äußerlichen verliert. Die Spannung zwischen »Fleisch« und »Geist« ist kein Kampf zwischen getrennten Seinsbereichen, sondern die Zerrissenheit in uns als ganzen Menschen. Es ist der ganze Mensch, den Gott lebendig macht durch seinen Geist, der in ihm wohnt. Und so ist es auch der ganze Mensch, der sich für oder gegen ein Leben in Christus entscheidet.


Sequenz
Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

Stefan Langton (um 1200), Übertragung Maria Luise Thurmair und Markus Jenny (1971); GL 243f. • KG 483

Ruf vor dem Evangelium
Halleluja. Halleluja.
Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!
Halleluja.

Evangelium Joh 14,15–16.23b–26
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.
Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. |F

Ab dem 13. Kapitel, beginnend mit der Fußwaschung, wird im Johannesevangelium der Akzent vom »Glauben« mehr und mehr aufs »Lieben« verschoben. Ausdruck der Liebe zu Jesus ist, an seinem Wort »festzuhalten«. Das griechische terein bedeutet: bewahren, nicht verlieren, beobachten, verspüren. Festhalten heißt nicht, am Wortlaut von Glaubenssätzen festzuhalten, sondern Jesus selbst in uns reden zu lassen.
Jesus verlässt die Jünger und befähigt sie gleichzeitig zu einer tieferen Gemeinschaft mit ihm. Dazu verheißt er den Parakleten, den »Herbeigerufenen«, Fürsprecher, Gerichtsbeistand und Anwalt. Der Geist ist »andere Paraklet«, der die Jünger als Stellvertreter Christi »lehrt«. Nicht wir sind es, die dauernd andere über das richtige Leben und den rechten Glauben belehren müssen, sondern der Geist selber tut es. Und wir brauchen uns nicht ständig von vermeintlichen Experten für verschiedene Lebensbereiche belehren lassen und auch nicht von Menschen in der Kirche, die erzkonservativ oder exzessiv progressiv die Wahrheit gepachtet zu haben glauben. Der Geist »erinnert«. Das ist keine »Gedächtnisauffrischung «, sondern vertiefte, verinnerlichte Einsicht. Er-innern ist ganz wörtlich zu nehmen: der Geist hält Jesus in uns lebendig.


Credo

Fürbitten
Christus, du stehst allen Menschen bei und du bittest den Vater um den anderen Beistand, den Heiligen Geist. Wir bitten dich:
– Stehe bei unserem Papst, den Bischöfen und allen, die in der Kirche Verantwortung tragen, …
A: … und bleibe immer bei ihnen im Heiligen Geist.
– Stehe bei den Politikern und allen, die sich in der Gesellschaft engagieren, …
– Stehe bei den Menschen in unserer Welt, die in großer materieller Not leben, …
– Stehe bei den Gläubigen unserer Gemeinden, unseres Dekanats und unserer Diözese, …
– Stehe bei den Menschen, die uns am Herzen liegen und denen unsere besondere Sorge gilt, …
Christus, du liebst die Menschen, wie dein Vater und wie der Geist, das Band der Liebe. Dich preisen wir in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet
Allmächtiger Gott, erfülle die Verheißung deines Sohnes: Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt und uns das Geheimnis dieses Opfers immer mehr erschließt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken und diesen Tag in festlicher Freude zu feiern. Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast. Am Pfingsttag erfüllst du deine Kirche mit Leben: Dein Geist schenkt allen Völkern die Erkenntnis des lebendigen Gottes und vereint die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens. Darum preisen dich alle Völker auf dem Erdenrund in österlicher Freude. Darum rühmen dich die himmlischen Kräfte und die Mächte der Engel und singen das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser
Der Hl. Geist hält uns in der Gemeinschaft der Liebe mit Gott. In dieser Gemeinschaft können wir voll Vertrauen zu Gott als unserem Vater beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet
Im Geist werden wir in dem einen Volk, der Kirche Jesu Christi, gesammelt, das in Frieden und Einheit lebt. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers Vgl. Apg 2,4.11
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten Gottes große Taten. Halleluja.

Schlussgebet
Herr, unser Gott, du hast deine Kirche mit himmlischen Gaben beschenkt. Erhalte ihr deine Gnade, damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist, in ihr weiterwirkt und die geistliche Speise sie nährt bis zur Vollendung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen Vom Heiligen Geist
Der gütige Gott hat am heutigen Tag die Jünger durch die Eingießung des Heiligen Geistes erleuchtet; er segne euch und schenke euch den Reichtum seiner Gaben.
Jenes Feuer, das in vielen Zungen auf die Jünger herabkam, reinige eure Herzen und entzünde in euch die göttliche Liebe.
Der Heilige Geist, der die vielen Sprachen im Bekenntnis des Glaubens geeint hat, festige euch in der Wahrheit und führe euch vom Glauben zum Schauen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Gott in allem suchen,
Gott in allem finden.
Alles zur größeren Ehre,
zur größeren Ehre des Herrn.

Staunend durch die Welt gehen,
raunend Gottes Werk sehn.
»Warum nicht?« lautet die Frage,
wenn wir Gottes Wirken vertraun.

Innen sich besinnen,
drinnen nach mir lauschen.
Näher noch als ich mir selbst bin,
bist du mir, mein Herr und mein Gott.

Geister unterscheiden,
falsche Geister meiden.
Maßlosigkeit unterbinden
und lieben den Herrn ohne Maß.


Wolfgang Steffel