10. Sonntag im Jahreskreis
7. Juni 2026
Der Herr ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist die Kraft meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen?
Meine Bedränger und Feinde,
sie müssen straucheln und fallen.
Ps 27 (26),1–2
»Die Liebe steht unter der Anleitung der Klugheit«, sagt Ignatius. Klugheit ist ein Raum des Innehaltens und Bedenkens, ein Raum ohne vorschnelles Tun und mit Verzicht auf einen sofortigen Zweck. Klug ist die Liebe, die dem anderen Raum lässt, die in keiner Weise bedrängt und die in allem die Freiheit des Geistes walten lässt. Diese »kluge Liebe« lässt vor allem dem Raum, der Raum und Zeit erschaffen hat: Gott selbst. Deshalb ist Liebe immer voller Hoffnung. Hoffnung ist Einübung in die Hoffnung, in die Haltung, auch in Not nicht zu verzweifeln, das Einzige, was wir in großer Not haben, nicht aufzugeben, nämlich das Vertrauen auf Gott und die Hoffnung. Friedrich Spee sagt: »Ein herrliches Werk der Hoffnung ist es, wenn man sich in großer Betrübnis und Bedrängnis des Herzens dennoch stark an Gott hält und nicht verzagt.«
Kyrie-Rufe
Herr Jesus Christus, du rufst, und Menschen folgen dir.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du rufst, und Kranke gesunden.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du rufst, und Tote erwachen.
Herr, erbarme dich.
Gloria
Tagesgebet
Gott, unser Vater, alles Gute kommt allein von dir. Schenke uns deinen Geist, damit wir erkennen, was recht ist, und es mit deiner Hilfe auch tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Erste Lesung
Hos 6,3–6Lesung aus dem Buch Hosea.
Lasst uns streben nach Erkenntnis, nach der Erkenntnis des Herrn. Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.
Was soll ich tun mit dir, Efraim? Was soll ich tun mit dir, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht. Darum schlage ich drein durch die Propheten, ich töte sie durch die Worte meines Mundes. Dann leuchtet mein Recht auf wie das Licht. Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.
Wort des lebendigen Gottes.
IMPULS Liebe ist beständig. Sie ist keine Wolke, die sich nach und nach auflöst. Sie ist kein Tau, den die Morgensonne wegtrocknet. Sie ist kein Windhauch, kein Wolkenkuckucksheim, kein Luftschloss. Die beständige und kluge Liebe, die echte Erkenntnis sucht, richtet sich auf den Herrn aus. Sie bekennt, dass das Wort des Herrn mächtiger ist als ein zweischneidiges Schwert. In der Liebe lassen wir uns von Gott erkennen. Das braucht Ruhe, Stille, Gebet, Anbetung. Wir werden mit anderen Augen durch unseren Alltag gehen und erkennen, wie der Herr erkennt. Seine barmherzigen Augen werden unsere. Unser Erkennen spannt einen weiten Bogen von der Selbsterkenntnis und anderen Selbstverhältnissen wie Selbstwahrnehmung oder Selbstbewusstsein über die wunderbare Vielfalt und Buntheit des Denkens im Glauben bis hin zur Herausforderung, wie wir überhaupt Muße fürs Denken in Hektik und Routine des Alltags finden können. Gegen den Überhang an naturwissenschaftlicher Erkenntnis brauchen wir echte und sinnliche Geistesweite. Denn Gott kann nicht Ergebnis unseres Denkens sein, er ist nicht das Resultat einer menschlichen Prozedur. Gott ereignet sich, überrascht uns, kommt auf uns zu und herab wie der Regen.
Antwortpsalm
Ps 50,7–8.12–15 (|R: 23b)Kv: Wer rechtschaffen lebt, dem zeig’ ich mein Heil. – Kv
»Höre, mein Volk, ich rede. /
Israel, ich klage dich an, *
ich, der ich dein Gott bin.
Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, *
deine Brandopfer sind mir immer vor Augen. – (Kv)
Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, *
denn mein ist die Welt und was sie erfüllt.
Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen *
und das Blut von Böcken trinken? – (Kv)
Bring Gott als Opfer dein Lob *
und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!
Rufe mich an am Tag der Not; *
dann rette ich dich und du wirst mich ehren.« – Kv
Zweite Lesung
Röm 4,18–25Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom
Schwestern und Brüder! Gegen alle Hoffnung hat Abraham voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast Hundertjährige, sich bewusst, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß erstorben waren. Er zweifelte nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben und er erwies Gott Ehre, fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt zu tun, was er verheißen hat. Darum wurde der Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet.
Doch nicht allein um seinetwillen steht in der Schrift, dass der Glaube ihm angerechnet wurde, sondern auch um unseretwillen; er soll auch uns angerechnet werden, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.
Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.
Wort des lebendigen Gottes.
IMPULS Das Durchhaltevermögen der Hoffnung hat etwas von dem Weitermachen trotz allem, einem freudigem Trotzdem, auch wenn wie bei Abraham und Sara die ersehnten Nachkommen ausbleiben. Die Hoffnung hält durch, auch wenn das Vieh stirbt, das Haus abbrennt usw. Bekannt ist in dieser Hinsicht der Vers aus dem Propheten Habakuk 3,17f: »Zwar blüht der Feigenbaum nicht, an den Reben ist nichts zu ernten, der Ölbaum bringt keinen Ertrag, die Kornfelder tragen keine Frucht; im Pferch sind keine Schafe, im Stall steht kein Rind mehr. Dennoch will ich jubeln über den Herrn, und mich freuen über Gott meinen Retter.« Abraham erweist Gott in allem und trotz allem die Ehre. Die Haltung im Lobpreis ist die Haltung des Hoffens, denn der Lobpreis preist den, der alles wirken kann – gegen alle weltliche Gesetzlichkeit. Können wir noch hoffen? So wie wir nicht geben können, weil wir ständig zählen, so können wir nicht hoffen, weil wir immer »haben« wollen. Wir hoffen etwa auf eine erfolgreiche Bewerbung. Ist sie gelungen, »haben« wir eine Anstellung. Echte Hoffnung lässt ganz Neues zu. Sie lässt sich überraschen.
Ruf vor dem Evangelium
Vgl. Jes 61,1 (Lk 4,18)Halleluja. Halleluja.
Der Herr hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu bringen und den Gefangenen die Freiheit zu verkündigen.
Halleluja.
Evangelium
Mt 9,9–13+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.
Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
IMPULS Jesus ruft Matthäus in die Nachfolge. Dieser steht auf und folgt Jesus nach! Die Jünger hören den Ruf Jesu und »sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm« (Mk 1,18). Es ist hier wie dort von keinerlei Zögern oder Überlegen die Rede. Eine Kurzschlusshandlung? Eine Hau-Ruck-Entscheidung? Bewundern oder belächeln wir die Jünger? Ist unser Zögern in der Nachfolge nicht Zeichen von Bequemlichkeit und Schwäche? Berechnen wir nicht viel zu sehr nach Kosten und Nutzen, ob sich Nachfolge für uns rechnet? Will uns der Evangelist hier ein schlechtes Gewissen machen, indem er die Bereitschaft des Matthäus etwas überzeichnet? Egal, wie ich persönlich die Dinge sehe, eines ist wichtig: Nicht zuerst die Jünger bewegen sich, sondern das Wort Christi bewegt die Jünger. Nachfolge ist keine Leistung, kein Verdienst, sondern Geschenk Christi. Sein Geist öffnet das Herz für Glaube und Nachfolge. Zweimal lesen wir bei Matthäus: »Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer« (Mt 9,13; 12,7). Jesus hat uns gelehrt, barmherzig zu sein wie der himmlische Vater. In Jesus wird das barmherzige Antlitz des unsichtbaren Vaters sichtbar. Wir selbst dürfen zu einem sichtbaren Antlitz Jesu werden.
Credo
Fürbitten
Gott, unser Vater! Barmherzigkeit willst du, nicht Opfer. Wenn wir auf dich vertrauen, bahnen sich Pilgerstraßen in unseren Herzen. Wir gehen Hand in Hand, suchen den Nächsten am Straßenrand und erkennen dich im Angesicht der Geringsten unserer Brüder und Schwestern. Wir bitten dich:
– Gib uns ein offenes Herz für die Menschen, die uns täglich begegnen.
– Schenke uns ein Herz auf dem rechten Fleck, das sich um Schwache und Benachteiligte kümmert.
– Fülle unser Herz mit deinem Geist, damit es überfließe von freudigem Bekenntnis.
– Mach unser Herz unruhig, dass es dich leidenschaftlich suche, bis es einst ruht in dir.
Wir preisen dich, Vater, und deinen Sohn Jesus Christus, der aus deinem Schoß kam, gesandt zu den Kleinen und Geringen im Geist der Barmherzigkeit. Amen.
Gabengebet
Herr, sieh gütig auf dein Volk, das sich zu deinem Lob versammelt hat. Nimm an, was wir darbringen, und mehre durch diese Feier unsere Liebe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation
Sonntage IIIn Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.
Einladung zum Vaterunser
Den Namen Gottes heiligen wir, wenn wir die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters auf Erden leben und Barmherzigkeit üben. So beten wir: Vater unser im Himmel …
Einladung zum Friedensgebet
Wenn wir an der Liebe festhalten und die Hoffnung nie aufgeben, wächst in uns das Vertrauen, dass immer neu Frieden wachsen kann: Herr Jesus Christus …
Kommunionvers
Ps 18 (17),3Herr, du bist mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Zuflucht.
Oder: 1 Joh 4,16
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
Schlussgebet
Barmherziger Gott, die heilende Kraft dieses Sakramentes befreie uns von allem verkehrten Streben und führe uns auf den rechten Weg. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Schlusssegen
Im Jahreskreis IVDer Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns tröstet in jeder Not, segne euch und lenke eure Tage in seinem Frieden.
Er bewahre euch vor aller Verwirrung und festige eure Herzen in seiner Liebe.
In diesem Leben mache er euch reich an guten Werken; und im künftigen sei er selbst euer unvergänglicher Lohn.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn † und der Heilige Geist.
***
Glaubend denken, denkend glauben
Andenken –
Nicht alles gleich durchdenken müssen,
sondern sich heran-denken
an das Geheimnis Gottes in meinem Leben
Entgegendenken –
Andächtig mich Gott nähern,
der mir immer schon entgegenkommt
Nachdenken –
Mein Leben abschreiten Jahrzehnt um Jahrzehnt,
Jahr um Jahr, nach und nach
Gedenken –
Gottes Führung in meinem Lebenslauf aufspüren
und dankbar erinnern
Bedenken –
Sich viel Zeit nehmen für ein Bibelwort,
es verkosten und ausschöpfen
Durchdenken –
Sich um das Wort herum zusammensetzen
und sich auseinandersetzen
Hineindenken –
Mich in den Nächsten hineinversetzen
und die ständige Gegenwart Gottes
in meinem Herzen verspüren
Wolfgang Steffel