Laacher Messbuch

Palmsonntag

29. März 2026


Der Blick vom Ölberg auf die Stadt Jerusalem ist einfach überwältigend! In der Vielzahl an Kuppeln und Dächern muss sich der Betrachter erstmal einen Überblick verschaffen, um dann einzelne Gebäude identifizieren zu können: die Kirche des heiligen Grabes, die Dormitio-Abtei mit dem angrenzenden Saal des Abendmahls, die Zitadelle des Davids und so weiter. Doch vor dem Stadtbild erhebt sich zunächst der Tempelberg: die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom mit der goldenen Kuppel fallen sofort ins Auge. Dieses Areal, um das Juden und Muslime so hitzig wie gewaltbereit streiten, ist umgeben von einer alten Mauer aus Stein, die zum Ölberg hin, ungefähr in der Mitte oberhalb des muslimischen Friedhofs, eine großes Ein- und Ausgangstor besitzt. Doch dieses prächtige Tor ist zugemauert!
Dies hat seinen historisch-religiösen Grund: Für die Juden ist es das Tor, durch das der Messias einst in die Stadt Jerusalem kommen wird. Alles Hoffen auf den Eintritt in eine neue Friedenszeit und Anbruch der Gottesherrschaft ist auf dieses Tor gerichtet. Deshalb haben die Muslime es zugemauert, um dem Messias den Eintritt zu verwehren, wenn er denn kommt. Und damit auch ja kein Jude dort oben betet, wenn der Zutritt für nur wenige Stunden am Tag den Juden und Touristen auf dem Tempelberg gewährt wird, wird dieser Punkt durch die Tempelbergaufseher bewacht. Zumindest die Liturgie vermag es heute, dieses Tor zu öffnen, denn der Gesalbte des Herrn zieht ein in seine Stadt, um das große Heilswerk zu vollenden.


FEIER DES EINZUGS CHRISTI IN JERUSALEM



Hosanna dem Sohne Davids!
Gepriesen, der da kommt im Namen des Herrn,
der König von Israel. Hosanna in der Höhe!

Mt 21,9

Segensgebet über die Palmzweige


Allmächtiger, ewiger Gott, segne diese (grünen) Zweige, die Zeichen des Lebens und des Sieges, mit denen wir Christus, unserem König, huldigen. Mit Lobgesängen begleiten wir ihn in seine heilige Stadt; gib, daß wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder:
Allmächtiger Gott, am heutigen Tag huldigen wir Christus in seinem Sieg und tragen ihm zu Ehren (grüne) Zweige in den Händen. Mehre unseren Glauben und unsere Hoffnung, erhöre gnädig unsere Bitten und laß uns in Christus die Frucht guter Werke bringen. Darum bitten wir durch ihn, Christus unseren Herrn.

Evangelium

Mt 21,1–11
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Bétfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.
Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:
Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten
ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!
Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Der ersehnte Einzug des Messias in die Stadt Jerusalem! Das Evangelium des Palmsonntags benennt nicht nur den Grund der liturgischen Feier zu Beginn der Heiligen Woche. In diesem Text wird auch die religiöse Trennung markiert, welche unsere Verbindung als Christen zum Judentum bestimmt: Für die Christen ist mit Jesus der erwartete Messias gekommen. Der Titel Messias, der aus dem Hebräischen/Aramäischen stammt und in den Schriften des Alten Testaments zu finden ist, lautet in seiner Übertragung ins Griechische/Lateinische Christus – »der Gesalbte«.
Der Evangelist Markus zeichnet ein buntes, farbenfrohes und höchst lebendiges Bild von diesem Kommen Jesu zum Paschafest (Osterfest) im Jahre 30 n. Chr. nach Jerusalem. Seine Schilderung ist, so Martin Luther in seiner Adventspostille (1522) ein »Hauptstück des Evangeliums«. Die Bedeutung liegt dabei u. a. in der Ankunft eines Festpilgers. Dieser Ruf »Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn« (vgl. Mk 11,9) galt allen, die nach Jerusalem zum Fest kamen; war es doch ein Vers des entsprechenden Einzugsliedes der Pilger.


EUCHARISTIEFEIER



Sechs Tage vor dem Osterfest
kam der Herr in die Stadt Jerusalem.
Da liefen ihm Kinder entgegen
mit Palmzweigen in den Händen und riefen:
Hosanna in der Höhe!
Sei gepriesen, der du kommst als Heiland der Welt.
Ihr Tore, hebt euch nach oben,
hebt euch, ihr uralten Pforten;
denn es kommt der König der Herrlichkeit.
Wer ist der König der Herrlichkeit?
Der Herr der Heerscharen,
er ist der König der Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe!
Sei gepriesen, der du kommst als Heiland der Welt.

Vgl. Ps 24 (23),9–10

Kyrie-Rufe


Herr Jesus, du biste gekommen, um zu suchen, was verloren ist.
Kyrie, eleison.
Du richtest auf, der gebeugt ist.
Christe, eleison.
Herr Jesus Christus, du König der Könige.
Kyrie, eleison.

Tagesgebet


Allmächtiger, ewiger Gott, deinem Willen gehorsam, hat unser Erlöser Fleisch angenommen, er hat sich selbst erniedrigt und sich unter die Schmach des Kreuzes gebeugt. Hilf uns, daß wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen und an seiner Auferstehung Anteil erlangen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 50,4–7
Lesung aus dem Buch Jesaja.
GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören.
GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Es ist nicht leicht, ein Prophet zu sein. In keinen anderen Zeilen als in denen des zweiten und dritten Lieds über den leidenden Gottesknecht wird dies deutlich. Die Lesung zitiert aus dem dritten Gottesknechtslied. Der Leidende – wer ist dies? Es kann jener Jesaja sein, auf den der Text zurückgeführt werden kann, es könnte aber auch das Volk Israel sein in seiner doch leid- und wechselvollen Geschichte. Wir hören in den Worten mit, was später in der Passion Jesu berichtet wird. Und in aller Härte leuchtet die Hoffnung auf: »ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate«. Gott lässt seine Auserwählten nicht fallen, sondern führt sie durch alle Prüfungen hindurch zu einem guten, hoffnungsfrohen Ende.

Antwortpsalm

Ps 22 (21),8–9.17–18.19–20.23–24 (Kv: 2a)
Kv Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen? – Kv

Alle, die mich sehen, verlachen mich, *
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
»Wälze die Last auf den HERRN! /
Er soll ihn befreien, *
er reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat!« – Kv

Denn Hunde haben mich umlagert, /
eine Rotte von Bösen hat mich umkreist. *
Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt.
Ich kann all meine Knochen zählen; *
sie gaffen und starren mich an. – Kv

Sie verteilen unter sich meine Kleider *
und werfen das Los um mein Gewand.
Du aber, HERR, halte dich nicht fern! *
Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe! – Kv

Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, *
inmitten der Versammlung dich loben.
Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; /
all ihr Nachkommen Jakobs, rühmt ihn; *
erschauert vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! – Kv

Zweite Lesung

Phil 2,6–11
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi.
Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: »Jesus Christus ist der Herr« – zur Ehre Gottes, des Vaters.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Paulus hat hier auf einen alten Hymnus zurückgegriffen, der schon zu seiner Zeit bekannt war und auf das Christusereignis übertragen wurde. Im Loslassen seiner Göttlichkeit und in der selbst gewählten Erniedrigung wird der Herr auf ewige Zeiten über alles erhöht. Der Tod am Kreuz wird hier zu einem Moment der Verherrlichung, so wie es der Evangelist Johannes in seinem Passionsbericht zu Grunde legt, welcher an jedem Karfreitag in der Liturgie verlesen wird. An dieser demütigen Haltung und Hingabe sollen wir uns orientieren, sollen wir es dem Herrn gleichtun, wie Paulus es an anderer Stelle schreibt: »Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht« (vgl. Phil 2, 5).

Ruf vor der Passion

Vers: vgl. Phil 2,8b–9
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – Kv

Christus war für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!

Passion

Mt 26,14–27,66 (Kf: 27,11–54)
E = Evangelist; † = Worte Jesu; S = Worte sonstiger Personen
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus.

Die Vereinbarung des Judas mit den Hohepriestern
E Einer der Zwölf namens Judas Iskáriot ging zu den Hohepriestern und sagte: S Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? E Und sie boten ihm dreißig Silberstücke.
Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Die Vorbereitung des Paschamahls
E Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: S Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? E Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern. E Die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

Das Mahl
E Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. E Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: S Bin ich es etwa, Herr? E Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. E Da fragte Judas, der ihn auslieferte: S Bin ich es etwa, Rabbi? E Jesus antwortete: Du sagst es.
E Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. E Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sagte: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von dieser Frucht des Weinstocks trinken, bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinke im Reich meines Vaters.

Die Ankündigung der Verleugnung
E Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. E Petrus erwiderte ihm: S Und wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich werde niemals an dir Anstoß nehmen! E Jesus sagte zu ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
E Da sagte Petrus zu ihm: S Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen. E Das Gleiche sagten auch alle Jünger.

Das Gebet in Getsemani
E Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsémani nennt, und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete! E Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! E Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. E Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. E Wieder ging er weg, zum zweiten Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. E Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.

Die Gefangennahme Jesu
E Noch während er redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: S Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest! E Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: S Sei gegrüßt, Rabbi! E Und er küsste ihn. Jesus erwiderte ihm: Freund, dazu bist du gekommen? E Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. Und siehe, einer von den Begleitern Jesu streckte die Hand aus, zog sein Schwert, schlug auf den Diener des Hohepriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihm: Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte? Wie würden dann aber die Schriften erfüllt, dass es so geschehen muss? E In jener Stunde sagte Jesus zu den Männern: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag saß ich im Tempel und lehrte und ihr habt mich nicht verhaftet. E Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gehen. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Das Bekenntnis Jesu vor dem Hohen Rat
E Nach der Verhaftung führte man Jesus zum Hohepriester Kájaphas, bei dem sich die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt hatten. Petrus folgte Jesus von Weitem bis zum Hof des Hohepriesters; er ging in den Hof hinein und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde.
Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um falsche Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können. Sie fanden aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Zuletzt kamen zwei Männer und behaupteten: S Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen. E Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: S Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen? E Jesus aber schwieg. Darauf sagte der Hohepriester zu ihm: S Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Christus, der Sohn Gottes? E Jesus antwortete: Du hast es gesagt. Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen. E Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: S Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung? E Sie antworteten: S Er ist des Todes schuldig.
E Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere ohrfeigten ihn und riefen: S Messias, du bist doch ein Prophet, sag uns: Wer hat dich geschlagen?

Die Verleugnung durch Petrus
E Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sagte: S Auch du warst mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen. E Doch er leugnete es vor allen und sagte: S Ich weiß nicht, wovon du redest. E Und als er zum Tor hinausgehen wollte, sah ihn eine andere Magd und sagte zu denen, die dort standen: S Der war mit Jesus dem Nazoräer zusammen.
E Wieder leugnete er und schwor: S Ich kenne den Menschen nicht. E Wenig später kamen die Leute, die dort standen, und sagten zu Petrus: S Wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich. E Da fing er an zu fluchen und zu schwören: S Ich kenne den Menschen nicht. E Gleich darauf krähte ein Hahn und Petrus erinnerte sich an das Wort, das Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Die Übergabe an Pilatus
E Als es Morgen wurde, fassten die Hohepriester und die Ältesten des Volkes gemeinsam den Beschluss, Jesus hinrichten zu lassen. Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn dem Statthalter Pilatus aus.

Das Ende des Judas
E Als nun Judas, der ihn ausgeliefert hatte, sah, dass Jesus verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohepriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte:
S Ich habe gesündigt, ich habe unschuldiges Blut ausgeliefert. E Sie antworteten: S Was geht das uns an? Das ist deine Sache. E Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich. Die Hohepriester nahmen die Silberstücke und sagten: S Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut daran. E Und sie beschlossen, von dem Geld den Töpferacker zu kaufen als Begräbnisplatz für die Fremden. Deshalb heißt dieser Acker bis heute Blutacker. So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremía gesagt worden ist: Sie nahmen die dreißig Silberstücke – das ist der Preis, den er den Israeliten wert war – und kauften für das Geld den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.

Das Verhör vor Pilatus
E Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: S Bist du der König der Juden? E Jesus antwortete: Du sagst es. E Als aber die Hohepriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: S Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? E Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den das Volk verlangte. Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Bárabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: S Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Bárabbas oder Jesus, den man den Christus nennt? E Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: S Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Ich habe heute seinetwegen im Traum viel gelitten.
E Inzwischen überredeten die Hohepriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Bárabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: S Wen von beiden soll ich freilassen? E Sie riefen: S Bárabbas! E Pilatus sagte zu ihnen: S Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt? E Da antworteten sie alle: S Ans Kreuz mit ihm!
E Er erwiderte: S Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? E Sie aber schrien noch lauter: S Ans Kreuz mit ihm!
E Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: S Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! E Da rief das ganze Volk: S Sein Blut – über uns und unsere Kinder! E Darauf ließ er Bárabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung.

Die Verspottung Jesu durch die römischen Soldaten
E Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätórium und versammelten die ganze Kohórte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: S Sei gegrüßt, König der Juden! E Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen damit auf seinen Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Kreuzweg und Kreuzigung
E Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Kyréne namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort, der Gólgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen. Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn dort. Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links. Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: S Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, rette dich selbst und steig herab vom Kreuz! E Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten und sagten: S Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist doch der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. E Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden.

Hier stehen alle auf.

Der Tod Jesu
E Von der sechsten Stunde an war Finsternis über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtáni?, E das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? E Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: S Er ruft nach Elíja. E Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken. Die anderen aber sagten: S Lass, wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihm hilft. E Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.

(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.)

E Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.
Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: S Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!
E Auch viele Frauen waren dort und sahen von Weitem zu; sie waren Jesus von Galiläa aus nachgefolgt und hatten ihm gedient. Zu ihnen gehörten Maria aus Mágdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Das Begräbnis Jesu
E Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Mágdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber.

Die Bewachung des Grabes
E Am nächsten Tag gingen die Hohepriester und die Pharisäer gemeinsam zu Pilatus; es war der Tag nach dem Rüsttag. Sie sagten: S Herr, es fiel uns ein, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, behauptet hat: Ich werde nach drei Tagen auferstehen. Gib also den Befehl, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht wird! Sonst könnten seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferstanden. Und dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als alles zuvor. E Pilatus antwortete ihnen: S Ihr sollt eine Wache haben. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt! E Darauf gingen sie, um das Grab zu sichern. Sie versiegelten den Eingang und ließen die Wache dort.

Oder Kurzfassung: Mt 27,11–54
E = Evangelist; † = Worte Jesu; S = Worte sonstiger Personen
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus.

Das Verhör vor Pilatus
E Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: S Bist du der König der Juden? E Jesus antwortete: Du sagst es. E Als aber die Hohepriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: S Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? E Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den das Volk verlangte. Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Bárabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: S Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Bárabbas oder Jesus, den man den Christus nennt? E Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: S Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Ich habe heute seinetwegen im Traum viel gelitten.
E Inzwischen überredeten die Hohepriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Bárabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: S Wen von beiden soll ich freilassen? E Sie riefen: S Bárabbas! E Pilatus sagte zu ihnen: S Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt?
E Da antworteten sie alle: S Ans Kreuz mit ihm! E Er erwiderte: S Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? E Sie aber schrien noch lauter: S Ans Kreuz mit ihm!
E Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: S Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! E Da rief das ganze Volk: S Sein Blut – über uns und unsere Kinder! E Darauf ließ er Bárabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung.

Die Verspottung Jesu durch die römischen Soldaten
E Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätórium und versammelten die ganze Kohórte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: S Sei gegrüßt, König der Juden! E Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen damit auf seinen Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Kreuzweg und Kreuzigung
E Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Kyréne namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort, der Gólgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen. Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn dort. Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links. Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: S Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, rette dich selbst und steig herab vom Kreuz! E Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten und sagten: S Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist doch der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. E Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden.

(Hier stehen alle auf.)

Der Tod Jesu
E Von der sechsten Stunde an war Finsternis über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtáni?, E das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? E Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: S Er ruft nach Elíja. E Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken. Die anderen aber sagten: S Lass, wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihm hilft. E Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.

(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.)

E Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: S Wahr haftig, Gottes Sohn war dieser!

IMPULS In erstaunlicher Übereinstimmung protokollieren alle Evangelisten das Geschehen rund um den Kreuzestod Jesu. Auch außerbiblische Befunde bestätigen, was sich einst auf dem Hügel nahe der Stadt zugetragen hat. Bemerkenswert bleiben die unterschiedlichen Einzelheiten, die jeder Evangelist zu seinem Bericht beisteuern kann. Hierin liegt ein wesentlicher Ansatzpunkt für die theologische Ausdeutung dessen, was als »Information« über das Geschehen hinaus mitgegeben werden soll.
Was sich daher zunächst wie ein formelles Hinrichtungsprotokoll anhört, ist am Ende der Höhepunkt eines heilsgeschichtlichen Dramas, das – wenn die alttestamentlichen Texte für eine Ausdeutung hinzugezogen werden – nicht anders hätte verlaufen können (und dürfen). Denn nur im Glaubenslicht der ganzen Heiligen Schrift wird deutlich, dass hier von der einmaligen und umstürzenden Macht des Todes hin zu einem neuen Leben gesprochen wird. Am Kreuz offenbart sich die unendlich große und demütige Liebe unseres Gottes, der uns durch den Tod seines Sohnes ins neue Leben hebt. Die Menschheit erfährt eine Neuschöpfung im Handeln: »Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!« (vgl. 2 Kor 5,17).


Credo



Fürbitten


Gott hat uns seinen Sohn Jesus Christus gesandt, um uns den Weg zum Heil zu eröffnen. Voll Vertrauen wenden wir uns an Christus und beten:
V/A: Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt!
– Für unsere Geschwister im Glauben, die unter Angst, Not und Verzweiflung oder Verfolgung leiden: um Mut und Hoffnung für ihren Lebensweg.
– Für die Menschen, Gruppen und Völker, die im Heiligen Land leben: um Gerechtigkeit, Frieden und gegenseitige Toleranz.
– Für die alten und kranken Menschen, die in ihrem Leiden auf dich blicken können: um Kraft und Stärke.
– Für unsere Kirche, die sich für das Heil der Menschen einzusetzen hat: um Mut, dich als unseren Herrn und Erlöser zu bezeugen.
– Für alle, deren irdisches Leben zu Ende geht: um eine gute Sterbestunde und um die Aufnahme in das ewige Leben.
Denn du, Herr Jesus Christus, warst gehorsam bis zum Tod und wurdest österlich erhöht zum Herrn der Welt. Dich preisen wir in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, schenke uns Verzeihung durch das Leiden deines Sohnes. Wir haben sie zwar durch unsere Taten nicht verdient, aber wir vertrauen auf dein Erbarmen. Darum versöhne uns mit dir durch das einzigartige Opfer unseres Herrn Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Liebe zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Er war ohne Sünde und hat für die Sünder gelitten. Er war ohne Schuld und hat sich ungerechtem Urteil unterworfen. Sein Tod hat unsere Vergehen getilgt, seine Auferstehung uns Gnade und Leben erworben. Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


In der Erwartung seines Kommens als der Herr und König unseres Lebens beten wir mit seinen Worten zu unserem gemeinsamen Vater im Himmel: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Die Menschen empfingen Jesus mit dem Ruf »Hosianna« und priesen ihn als Friedensfürst. Auch unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit und Friede liegt bei ihm in guten Händen. So bitten wir ihn: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Mt 26,42
Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann und ich ihn trinken muß, so geschehe dein Wille.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, du hast uns im heiligen Mahl gestärkt. Durch das Sterben deines Sohnes gibst du uns die Kraft, das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt. Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade, das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Vom Leiden des Herrn
Der barmherzige Gott, der seinen Sohn für uns dahingegeben und uns in ihm ein Beispiel der Liebe geschenkt hat, segne euch und mache euch bereit, Gott und den Menschen zu dienen.
Und Christus, der Herr, der uns durch sein Sterben dem ewigen Tode entrissen hat, stärke euren Glauben und führe euch zur unvergänglichen Herrlichkeit.
Und allen, die ihm folgen auf dem Weg der Entäußerung, gebe er Anteil an seiner Auferstehung und an seiner Herrlichkeit.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Für uns scheint es lediglich eine Randnotiz zu sein, doch für die Menschen der Zeit Jesu war dieses Detail das Erkennungszeichen: der Ritt Jesu auf dem Esel zum Einzug in die Stadt Jerusalem. In den Evangelien ist Jesus, so die Schilderungen, stets zu Fuß unterwegs. Kein Weg ist ihm zu lang, kein Umweg ihm zu schade. Doch gerade jetzt, wo er schon auf dem Berg angekommen ist, lässt er sich für die letzten Meter einen Esel bringen – und zwar nicht irgendeinen, sondern »einen jungen Esel, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat« (vgl. Mk 11,2). Die Juden wussten: der junge Esel, der gebändigt und gezähmt werden muss, ist das Tier des Messias. Beim Anblick dieses Reiters mit seinem Tier klang das Schriftwort mit: »Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin« (vgl. Sach 9,9) – übrigens ist dies jene Stelle, die in der ambrosianischen Liturgie als erste Lesung in der Liturgie des Palmsonntags verkündet wird und die auf die Passion gänzlich an diesem Tag verzichtet. Das Gegenbild zum eschatologischen Friedenskönig und der Hintergrund zu diesem Vers ist der hellenistische Kriegskönig, der auf einem Pferd und begleitet von seinem Heer umherzieht.

Hier bündelt sich die vorangegangene Verkündigung Jesu in dessen Wort und Tat, seine radikale Friedensbotschaft vom endzeitlichen Schalom; zugleich deutet diese Stelle auch schon den gewaltlosen Akt der Hingabe Jesu in seine Passion. Das ist das Paradoxe: Die Menschen rufen hoschi´a´na (hebräisch) und hoscha´na (aramäisch): »Hilf doch!«, »Sende Heil«. Dabei leitet sie politisches Kalkül: Soll dieser Jesus doch jetzt Frieden bringen und die Römer schlagen, das Recht wieder aufrichten und für Ordnung sorgen. Doch die Menschen wie auch die Jünger Jesu werden die Tragweite seines Einzugs erst dann verstehen, wenn er auf dem Holz des Kreuzes aufgerichtet und hingerichtet wird.
Auf diesen Moment des Verstehens sollen wir heute vorbereitet werden. Doch dürfen wir erst noch in diesem bunten, farbigen Bild des Palmsonntags bleiben. Wenn wir dem Herrn unser »Hosianna« singen, dann tun wir dies mit der Bitte, dass er die zugemauerten Tore in unserem Leben öffnet, damit dort uns Heil und Heilung geschenkt werden kann, wo es nötig ist. Und auch wir sind gefordert, uns nicht einzumauern, sondern für seine Gegenwart zu öffnen; das Herz zu öffnen für ihn und für den, der uns braucht, dem wir Hilfe schenken und zu seinem Heil etwas betragen können.


Sascha Jung