Laacher Messbuch

Zweiter Sonntag nach Weihnachten

4. Januar 2026

Als tiefes Schweigen das All umfing
und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr,
vom Himmel herab, vom königlichen Thron.
Weish 18,14–15

Wie schön sind sie doch, unsere traditionellen Weihnachtslieder! Selten im Jahr wird so geschmettert wie an Weihnachten. Gänsehautfeeling, wenn die Orgel braust und sich auch die zu singen trauen, die sonst eher zu den leiseren Gemütern zählen. – Wahrzunehmen ist dagegen in diesen Tagen nach dem Weihnachtsfest der Eindruck eines kontinuierlichen »Decrescendo«: Das Schmettern nähert sich so langsam wieder einem intimeren Ton, das Marktgeschrei zu den günstigsten Geschenkeschnäppchen ist verhallt, die laut blinkenden Lichterketten sind schweigend in ihre Kiste auf dem Dachboden zurückgekehrt. Für uns Christen dauert die liturgische Weihnachtszeit allerdings noch bis zum nächsten Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn. Vielleicht können diese Tage nach dem allgemeinen Weihnachtstrubel Raum schaffen für das, was sich in der Stille der Krippe und in der Stille hinter dem Weltenlärm ereignet: »Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron.« (Weish 18,14–15)

Kyrie-Rufe


Herr Jesus, du Wort vom königlichen Throne.
Kyrie, eleison.
Du sprichst zu uns in der Stille.
Christe, eleison.
Du erleuchtest alle, die an dich glauben.
Kyrie, eleison.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger, ewiger Gott, du erleuchtest alle, die an dich glauben. Offenbare dich den Völkern der Erde, damit alle Menschen das Licht deiner Herrlichkeit schauen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Sir 24,1–2.8–12 (1–4.12–16)
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Die Weisheit lobt sich selbst und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich. In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Der Schöpfer des Alls gebot mir, der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden. Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. Im heiligen Zelt diente ich vor ihm, so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat, ließ er mich Ruhe finden, in Jerusalem ist mein Machtbereich, ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk, im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Ist es nicht faszinierend und bezaubernd, dieses Bild von der »sprechenden Weisheit«? – Welche äußere Erscheinungsform könnte sie haben – sie, die da spricht, oder er, der da spricht? Ist es eine weibliche Person, diese Weisheit, in weiße, wallende Gewänder gehüllt? Ist es der männliche Jesus, der Sohn Gottes, diese Weisheit? Ist es die Natur, die Schöpfung, diese Weisheit? Ist es meine Arbeitskollegin, ist es der Müllmann, ist es …, diese Weisheit? Bin ich es, diese Weisheit?

Antwortpsalm

Ps 147,12–13.14–15.19–20 (Kv: Joh 1,14)
Kv Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. – Kv

(Oder: Halleluja.)

Jerusalem, rühme den HERRN! *
Zion, lobe deinen Gott!
Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, *
die Kinder in deiner Mitte gesegnet. – (Kv)

Er verschafft deinen Grenzen Frieden, *
er sättigt dich mit bestem Weizen.
Er sendet seinen Spruch zur Erde, *
in Eile läuft sein Wort dahin. – (Kv)

Er verkündet Jakob sein Wort, *
Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *
sie kennen sein Recht nicht. – Kv

Zweite Lesung

Eph 1,3–6.15–18
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Éphesus.
Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm. Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört. Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Der Anfang dieses Textes ist wohlbekannt: In der Liturgie ist er häufig zu hören, zum Beispiel am Fest der Unbefleckten Empfängnis, am 15. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr B und jede Woche als Canticum in der Vesper am Montag; im Gotteslob ist er unter der Nummer 649,8 als Gesang zu finden. Nach dieser Art »Hymnus« auf die Erwählung des Menschen durch Gott spricht Paulus ein Gebet: »Er – Gott – erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid.« – »Damit ihr VERSTEHT.« – Im Mittelhochdeutschen, das von ca. 1050 bis 1350 gesprochen wurde, meint das Wort verstahn »wahrnehmen, geistig auffassen« – bis heute hat es sich diese Bedeutung bewahrt. Es meinte aber auch unter anderem »stehenbleiben«. Ist das vielleicht der eigentliche Zugang zum »Verstehen« im Sinne von »geistig auffassen«? Bei diesem so oft gehörten Text einfach mal stehen bleiben – nicht weiterblättern, nicht weiterscrollen, nicht weiterklicken, obwohl ich das schon xmal gehört und gelesen habe? – Eine dritte alte Bedeutung des Begriffs »Verstehen« ist: »jemanden vertreten, verteidigen«: Stehe ich dazu und stehe ich für das, was ich da »verstanden« habe? Bin ich »Verteidiger« dieser frohmachenden Zusage: »Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade«?

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. 1 Tim 3,16
Halleluja. Halleluja.
Christus, offenbart im Fleisch, verkündet unter den Völkern,
Christus, geglaubt in der Welt: Ehre sei dir!
Halleluja.

Evangelium

Joh 1,1–18
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Oder: Kurzfassung: Joh 1,1–5.9–14
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Eigentlich müsste in der heutigen Liturgie ein Tausch stattfinden, nämlich der des Evangeliums (Langfassung) mit der Zweiten Lesung aus dem Paulus-Brief. Warum? Heute ist in der Liturgie eine wunderbare Verzahnung von Evangelium und Lesung zu finden: Im Evangelium heißt es: »Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.« – Ist es nicht genau das, worum Paulus dann in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus Gott bittet – um Verstehen und Erkenntnis dessen, was Gott uns Gutes will: »Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid.«? – Lesen Sie die beiden Texte vor oder nach dem Hören im Gottesdienst nochmals – zuerst das Evangelium, dann die Zweite Lesung. Verweilen Sie bei den beiden Texten – versuchen Sie zu »verstehen« …

Credo



Fürbitten


Jesus Christus, du Weisheit des Vaters, wir bitten dich:
V: Komm vom Himmelsthron. A: Jesus, Menschensohn: Herr, erbarme dich. (GL 158)
– Um Weisheit.
– Um den Mut, stehen zu bleiben.
– Um Glauben.
– Um Freude zum Einstehen für deine frohmachende Botschaft.
– Um das Schauen deiner Herrlichkeit für unsere Verstorbenen.
Du, der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, du hast uns Kunde gebracht. Lass diese Kunde in unserer Welt nie verstummen. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, heilige unsere Gaben durch die Menschwerdung deines Sohnes. Durch seine Geburt hast du allen Menschen den Weg der Wahrheit gewiesen und ihnen dein Reich verheißen. Laß uns in dieser Feier verkosten, was du denen bereitet hast, die dich lieben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Weihnachten I
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn Fleisch geworden ist das Wort, und in diesem Geheimnis erstrahlt dem Auge unseres Geistes das neue Licht deiner Herrlichkeit. In der sichtbaren Gestalt des Erlösers läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen, um in uns die Liebe zu entflammen zu dem, was kein Auge geschaut hat. Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Gott gibt uns Macht, seine Kinder zu werden, wenn wir an seinen Namen glauben und aus ihm geboren sind. Daher wollen wir beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Du, Herr, kommst nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern im tiefen Schweigen des Alls vom Himmel herab. Wir bitten dich, das Wort des Vaters: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Joh 1,12
Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, befreie uns durch die Wirkung dieses Sakramentes von unseren Fehlern und Sünden. Erfülle unser Verlangen und schenke uns alles, was wir zum Heil nötig haben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

An Weihnachten
Der barmherzige Gott hat durch die Geburt seines Sohnes die Finsternis vertrieben und diesen Tag erleuchtet mit dem Glanz seines Lichtes; er mache eure Herzen hell mit dem Licht seiner Gnade.
Den Hirten ließ er durch den Engel die große Freude verkünden; mit dieser Freude erfülle er euer ganzes Leben.
In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden; durch ihn schenke er allen Menschen guten Willens seinen Frieden, durch ihn vereine er euch mit der Kirche des Himmels.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Was ich also verstehe, das glaube ich auch, aber nicht alles das, was ich glaube, verstehe ich auch.

Hl. Augustinus